AKTUELLES
19.12.2010
Vorankündigung
Philosophie & Wirtschaft Autorentreffen 2011
Im Mai 2011 ist es soweit. Ein inspierender Ort, freie Gedanken, Philosophie trifft auf Wirtschaft: Das 1. P&W Autorentreffen findet im Château d’Orion www.chateau-orion.com statt. Programm und Details werden in Kürze veröffentlicht.
Bei Interesse bitte weitere Informationen anfordern.
ute.sommer@philosophieundwirtschaft.de
12.12.2010
Veranstaltungshinweis
Zeitgenuss an den Quellen der abendländischen Philosophie - Denkwochen 2011 im Château d’Orion
Je gefangener wir in Beruf und Routine sind, desto schwerer fällt es uns, uns geistig zu öffnen. Denkprozesse ausserhalb Gewohntem bleiben auf der Strecke. Dabei drängen sich gerade heute viele existenzielle Fragen auf: Erleiden wir den Verlust elementarer Werte? Sind Bilanzen wichtiger als werteschaffendes Verhalten? Was tun, um Gesellschaft und Wirtschaft in andere Bahnen zu lenken? Fragen, die jeden von uns etwas angehen.
Oft vergessen wir, was unser humanistisches Erbe uns mitgegeben hat. Die Würde, das Glück und Wohlergehen des Menschen und der Gesellschaft sind das höchste Ziel, das es zu erreichen gilt, wobei der sich stetig weiterbildende Mensch und dessen schöpferische Kraft die fortschreitende Höherentwicklung der Menschheit vorantreibt. Diese Weltanschauung ist die eigentliche Basis für unser Selbstverständnis im Jetzt und für die Gestaltung einer "besseren" Zukunft.
Mit dieser humanistischen Grundüberzeugung im Auge werden die Denkwochen initiiert, die engagierte Menschen, zum nach-, vor-, über- und quer denken einladen. "Da wir uns im Alltag, im beruflichen und kulturellen Leben oft mit Exzerpten und Zitaten begnügen müssen, bleiben wir am geistigen Fastfood kleben. Die Denkwochen von ad fontes bieten dazu ein Kontrastprogramm, einen Weg, zu den Quellen zu gelangen und an das Wesentliche zu rühren", so die Initiatorin von ad fontes und Veranstalterin Elke Jeanrond-Premauer, "Ziel der Denkwochen ist es, zu inspirieren und zu entspannen, Impulse zu geben für Beruf und Privatleben, anregende und aufgeschlossene Menschen zusammenzubringen, Bildung und Begegnung zu fördern und gemeinsame Zeit zum Denken und Genießen zu bieten."
Wie das Programm so verspricht auch die Umgebung Anspruchsvolles. Im stilvollen, geschichtsträchtigen Château d’Orion http://www.chateau-orion.com, einem Landschloss eingebettet in sanfthügeliger Landschaft zwischen Pyrenäen und Atlantik, finden die Denkwochen 2011 statt.
Weitere Informationen unter: www.denkwochen.de und www.ad-fontes.net
12.12.2010
Tilgungsiniative
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Hurra, wir tilgen |
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Deutsche |
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Tilgungsinitiative |
Soziales und reales Kapital soll Deutschland entschulden
Montag, 13.12.2010: Die deutsche Tilgungsinitiative geht "live". "Deutschlands Staatsschulden betragen zur Zeit 1,8 Billionen Euro, die drückende Gesamtschuld wird bald bei 85% der Wirtschaftsleistung liegen. Gleichzeitig hat sich das Privatvermögen der Deutschen in den letzten 10 Jahren um 83% auf 8,2 Billionen Euro vermehrt. Wir Deutsche müssten demnach nur etwa 20 % unseres privaten Geld- und Grundvermögen dem Staat übergeben und Deutschland wäre schuldenfrei", stellt Alexander Dill, der Begründer der Initiative fest.
Die politfreie Tilgungsiniative setzt auf Freiwilligkeit und will Druck auf den Staat mittels bekundetem und gelebtem Bürgerwillen ausüben. Ziel: Endlich mit Deutschlands Entschuldung zu beginnen. Tilger Nummer 1 ist der Mannheimer Literaturprofessor Jochen Hörisch. Die literarische Vorlage für die Tilgungsidee bildet Thomas Manns Roman "Königliche Hoheit". Darin rettet ein Milliardär den Staat vor dem Bankrott. "Der Roman entwickelt keine andere Idee als die, dass es sich in jeder Weise lohnt und rechnet, wenn private Reichtümer für die Tilgung der Staatsschulden eingesetzt werden. Denn zumindest in Demokratien gilt: der Staat – das sind wir selbst", so Hörisch.
Der Gedanke erscheint zunächst schlicht, ist aber bei genauerer Betrachtung nichts weniger als der Aufruf zu einem Paradigmenwechsel. Die Bürger sollen sich über politische Hürden hinwegsetzen und drängende Probleme selbst in die Hand nehmen statt Verantwortung für die Gesellschaft Anderen zu überlassen. Eine Idee, die sich bisher - wenn überhaupt - eher in kleineren, lokalen Bürgeriniativen materialisiert hat. Es bleibt abzuwarten ob es wirklich gelingen wird die breite Masse zu moblisieren und dazu zu bewegen einen Teil ihres Vermögens ohne Zwang abzugeben. Aber so oder so: Die Tilgungsiniative ist auf jeden Fall eines der raren Beispiele für in der Praxis gelebte Philosophie.
Wer sein soziales und reales Kapital zur Entschuldung Deutschlands einbringen will, kann es hier tun: http://www.hurrawirtilgen.de
14.08.2010
Philosophische Ökonomik – keine Frage der Moral
P&W Interview mit DR. WOLF DIETER ENKELMANN, Institut für Wirtschaftsgestaltung, München
? P&W: Sie thematisieren als einen Ihrer Aufgabenschwerpunkte "philosophische Ökonomik". Wo sehen Sie für Ihre Tätigkeit besondere Schwerpunkte? Gibt es eine Abgrenzung in den Begrifflichkeiten "Ökonomik" und "Ökonomie"?
! Dr. Enkelmann: Der Begriff Ökonomik wird allgemein dann verwendet, wenn es um die Unterscheidung zwischen Ökonomie als ökonomische Praxis und der ökonomischen Theorie, um die Wissenschaft von der Ökonomie also, geht. Und mit dem Begriff der philosophischen Ökonomik wird eine Differenzierung innerhalb der ökonomischen Wissenschaft benannt. Die Philosophie wendet sich dem Thema Ökonomie in mancherlei Aspekten in anderer Weise zu, als es die aktuelle Mainstream-Ökonomik macht. Das betrifft sowohl die inhaltliche Ausrichtung der Fragestellungen als auch die Methodologie. Daher ist die philosophische Ökonomik für uns genau genommen nicht ein spezifischer Aufgabenschwerpunkt, sondern vielmehr Ausdruck unserer Überzeugung, wie die Erkenntnis des Wirtschaftslebens mit den größten Erfolgsaussichten vorangetrieben werden kann.
? P&W: Schon in der antiken Philosophie finden sich konzeptuelle Ansätze zur Ausgestaltung einer Weltwirtschaft. Können Sie dies exemplarisch umreißen? Kann man daraus Analogien für Entwürfe unseres heutigen modernen Wirtschaftslebens ziehen?
! Dr. Enkelmann: Nehmen wir zum Beispiel Platon, der sich ja sehr kritisch mit der politischen Ökonomie auseinandergesetzt hat. Zum einen hat er sich energisch für die Klärung des Verhältnisses von Philosophie und ökonomischem Opportunismus engagiert, also zwischen Wahrheitsliebe und ökonomischem Erfolg. Das ist politisch und kulturell von großer Bedeutung. In der Tyrannei, überall also, wo allein das Recht des Stärkeren zählt, fallen nämlich Erfolg, Macht, Reichtum, Güte, Wahrheit und Schönheit immer in eins zusammen. Der klassische Despot ist immer der Reichste, der Gute, der Wahre und derjenige, der bestimmt, was schön ist, in einem. Aber auch für die Ökonomie ist die Unterscheidung ¬ sowie ein vernünftiges Verhältnis ¬ zwischen dem Ökonomischen und dem ‚Anökonomischen‘, wie Jacques Derrida (Falschgeld. Zeit geben I) das dann nennt, elementar. Von dem Ansatz her, dem Platon die Spur gelegt hat, ergeben sich sehr interessante und effektive Perspektiven für all das, was man heute meist unter Wirtschaftsethik versteht und mit den entsprechenden Mitteln zu erreichen versucht.
Ein Zweites, was für die gegenwärtigen Herausforderungen besonders wichtig ist, ist seine Konzeption der Weltwirtschaft. Bislang wird heute Weltwirtschaft als globale Ausdehnung dessen gedacht, was einstmals als Nationalökonomie oder (nationale) Volkswirtschaft entworfen worden war. Nach Georges Bataille (Die Aufhebung der Ökonomie) ist das aber ein Fehler. Er sieht einen grundlegenden Unterschied zwischen den von ihm so genannten ‚partialen Ökonomien‘ und der ‚allgemeinen Ökonomie‘. Das geht letztlich auf Platon zurück. Für Platon etwa ist Weltwirtschaft nicht nur die Wirtschaft in der Welt, mit der Natur als äußerlicher und präökonomisch vorgegebener Existenzvoraussetzung. Für ihn ist Weltwirtschaft Wirtschaft der Welt, also eine Totalität einschließlich ihrer Natur (Timaios). Sie ist eine Ökonomie der Entstehung von Welt, und nicht nur von deren Nutzbarmachung. Sowohl, um die Globalisierung zu begreifen, als auch für die Vermittlung von Ökonomie und Ökologie bietet die antike Philosophie daher einiges.
Diese Schöpfungskonzeption der Weltwirtschaft hat aber noch einen weiteren bedeutsamen Aspekt, den gleichfalls Bataille aufgegriffen hat. Indem Welt nicht als fertiger Bestand, sondern aus ihrer Produktion vergegenwärtigt wird, spielt bei Platon nicht wie heute primär die Knappheit die entscheidende Rolle, sondern mindestens ebenso sehr die Verausgabung, das Verschwenderische, die Großzügigkeit. Der Gedanke ist sehr wichtig, da es sonst nämlich prinzipiell keine Behebung des Mangels gäbe, sondern nur Umverteilung, d.h. Übervorteilung und Benachteiligung.
Es gibt ein weiteres Moment, warum es sinnvoll ist, diese Ressourcen der Philosophiegeschichte für die moderne Ökonomie fruchtbar zu machen. Für die Rationalitätskonzeption der modernen Wissenschaft generell spielt die Existenz des Staates und der Demokratie als Herrschaftsform immanent eigentlich keine Rolle, außer der, dass dadurch die Freiheit der Wissenschaft garantiert – und finanziert – ist. Und die große Philosophie der vorangehenden Jahrhunderte hatte bis zur französischen Revolution ganz andere politische Existenzvoraussetzungen, was sich in deren Denken auch niederschlägt. Einzig die Antike war mit den demokratisch rechts- und freistaatlichen Existenzvoraussetzungen bestens vertraut und wußte auch um den elementaren Zusammenhang zwischen Polis und Philosophie (vgl. Gilles Deleuze und Felix Guattari, Was ist Philosophie?). Und vor allem, sie hatten auch bereits den Untergang der Demokratie erlebt und daraus für uns, die wir ja dazu neigen, die heutige bürgerliche Gesellschaft für das Ende der Geschichte und die Vollendung der Zivilisation zu halten, sehr ergiebige Schlüsse gezogen.
Deshalb auch noch ein Wort zu Aristoteles, der nicht nur Bahnbrechendes zum Verhältnis von Ökonomie und Politik beigetragen hat (Politik), sondern sich auch ausführlich und sehr differenziert mit dem Typus des Homo oeconomicus auseinandergesetzt hat. Die ganze ‚Nikomachische Ethik‘ ist viel weniger eine moralische als eine ökonomische Schrift. Für Aristoteles ist der Homo oeconomicus die menschliche Grundfigur der bürgerlichen Gesellschaft (vgl. WD. Enkelmann, Europa, nichts als ein Versprechen, Merkur 692/2006). Nur konzipiert er ihn ganz anders, als es heute üblich ist, nämlich nicht als rational agierenden Nutzenmaximierer, sondern als, wie Friedrich Nietzsche übersetzt, "Thier, das versprechen darf" (Zur Genealogie der Moral, 2. Abh.). Gemeint ist das "Zoon logon echon", das berühmte Sprache habende Lebewesen, das ist der Aristotelische Homo oeconomicus. Inzwischen wurde diese Konzeption, wenn auch unbemerkt, auch in den Wirtschaftswissenschaften aufgegriffen, nämlich von Gunnar Heinsohn und Otto Steiger (Eigentum, Zins und Geld), auf deren Werk unlängst Peter Sloterdijk aufmerksam gemacht hat (Das bürgerliche Manifest, Cicero Nov. 2009). Und diesem Begriff des Homo oeconomicus gehört die Zukunft, das ist ganz klar. Ich verweise nur auf Muhammad Yunus‘ Micro Finance, das, wo immer es versucht wird, mit großem Erfolg umgesetzt wird.
? P&W: Man kann das Phänomen beobachten, dass vorrangig Geisteswissenschaftler über die Bedeutung von philosophischen Fragen in unternehmerischen Prozessen nachdenken, jedoch solch ein Impuls eher nicht von verantwortlichen Managern selbst kommt. Was meinen Sie, warum ist dies so – selbst nach den Erfahrungen der tiefen Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr und deren noch andauernden Auswirkungen?
! Dr. Enkelmann: Na ja, zunächst ist das ja klar: Wer sollte sonst über philosophische Fragen des Wirtschaftslebens nachdenken? Die Kompetenz liegt nun mal primär bei den Geisteswissenschaftlern. Es gibt allerdings durchaus auch Impulse aus den Managementetagen. Es gibt sogar ausgebildete Philosophen auf den Chefsesseln. Man trifft da mehr Nonkonformisten, als man gemeinhin denkt. Aber natürlich sind sie eine kleine Minderheit gegenüber dem Mainstream. Das Problem ist, dass es viel zu wenig philosophische Ausbildungsangebote für Manager gibt. Die Wirtschaftsphilosophie ist im akademischen Betrieb in Deutschland leider eine eher seltene Veranstaltung. In Frankreich zum Beispiel ist das ganz anders. Aber überall fehlt es stark an Vermittlung der freien Gedankenarbeit mit der konkreten Praxis. Die Führungsetagen lernen vor allem nur jene Geisteswissenschaftler kennen, die sich von einem moralischen Standpunkt mit Ökonomie befassen und die ökonomische Rationalität unter moralische Urteile, die sie aus außerökonomischen Quellen beziehen, zu subsumieren versuchen, statt die Ökonomie auf ihren – und einen neuen – Begriff zu bringen.
? P&W: Kommen wir noch einmal auf das Thema der Wirtschaftskrise zurück. Welche wesentlichen Kriterien eines unternehmerischen Ethos sollte Ihrer Meinung nach die Richtschnur für global agierende Unternehmen oder Unternehmer bilden, und vor allem – wie könnte man dies tatsächlich praktisch umsetzen?
! Dr. Enkelmann: Nun, ich halte die Wirtschaftsethik im Allgemeinen für überschätzt. Ich weiß nicht, woher man die Überzeugung gewinnt, dass Moral oder Ethik so heilsbringend und allein selig machend ist, dass man alle Hoffnungen auf Rettung auf sie setzt. Zumindest in der Theorie ist die moderne Ökonomie als solche ja auch bereits eine Schlußfolgerung auf das Scheitern moralischer Intentionen. Adam Smith etwa war Moralphilosoph und hat seine Ökonomik als einen besseren Weg empfunden und als neue Chance, das moralisch Erwünschte eventuell einmal wirklich zu erreichen, statt dies nur ewig zu fordern und den Mißerfolg zu beklagen. Und heute versucht man nun, die Ökonomie wieder unter – oft genug noch dazu vormoderne und dem Feudalismus verpflichtete – Moralkonzeptionen zu subsumieren.
Also ich halte es in diesem Fall lieber mit Karl Marx, der auch schon gefordert hatte, die Sache nicht mit moralischem Eifer, sondern mit wissenschaftlicher Gründlichkeit anzugehen. Für mich ist nicht die Frage, ob es an Moral fehlt, sondern: Wie rational – oder vernünftig – denken wir Wirtschaft eigentlich wirklich? Diese Krisen resultieren ja gar nicht so sehr nur aus moralisch inkrimierbarem persönlichem Versagen, sondern wesentlich auch aus Systemzwängen. Sind sie nicht Ausdruck dessen, wie wenig wir wissen, was wir tun, und wie wenig wir mit dem intellektuellem Handwerkzeug, das uns bisher zur Verfügung steht, in den Griff kriegen können? Wir brauchen, denke ich, noch ein ganz anderes Denken, als uns heute zur Verfügung steht. Wir denken die Ökonomie in vielerlei Hinsicht, auch methodologisch, noch nicht ökonomisch genug oder auch überhaupt noch nicht ökonomisch, sondern zum Beispiel viel zu mechanistisch. Woanders ist das mechanistische Weltbild längst verabschiedet, nur in der Wirtschaft stutzt niemand, wenn von "Marktmechanismen" die Rede ist.
Was konkret die Finanzkrise angeht: Wissen wir zum Beispiel, was Geld überhaupt ist? Da gibt es ein Fülle von Theorien voller Irrungen und Wirrungen, teils verrückte Sachen von sogar sehr namhaften Autoren. Inzwischen habe ich den Eindruck, das läßt sich auch nur mit Philosophie klären. Wir brauchen eine Philosophie des Geldes, nicht nur eine entsprechende Volkswirtschaftslehre, und dann eine praktische Verwirklichung dieser Philosophie. Ich setzt da mehr auf den Unternehmergeist als auf das unternehmerische Ethos. Und die Finanzökonomie muß philosophisch werden. – Die Probleme resultieren nicht daraus, das zu sehr ökonomisch gedacht wird, sondern zu wenig, und falsch und vor allem nie zu Ende. Die Gesellschaft will‘s noch viel zu wenig wissen und ersatzbefriedigt sich zu sehr mit ihren moralischen Urteilen. Urteile sind aber noch keine Erkenntnis und keine Handlungsanleitung. – Was die praktische Umsetzung angeht, meine ich auch, das ist mehr eine Herausforderung der politischen Willensbildung als eine der ethischen Einstellung. Und vor allem braucht man nicht zu glauben, man könnte aus der vermeintlich richtigen systematischen Einsicht einfach so mit Macht und moralischer Inbrunst die Eigendynamik der Geschichte aus den Angeln heben.
Etwas gut zu machen, lernt die Menschheit aus dem Leiden. Billiger ist das Bessere nicht zu haben. Es ist immer ein Drama. Ein bißchen mehr dramatisches Bewußtsein vom eigenen Handeln im Management und bei den Investoren, mehr Mut zur Unbestechlichkeit im Kopf und in der Magengegend, statt allein einem positivistisch-technoiden Opportunismus zu vertrauen, das wäre schon gut, realistischer vor allem und zukunftsträchtiger. Mehr Dankbarkeit, würde ich gerne hinzufügen, wenn ich nicht befürchten müßte, dass man diesen urökonomischen Begriff moralisch mißversteht.
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Dr. Enkelmann ist Direktor des Münchner Instituts für Wirtschaftsgestaltung. Er studierte Philosophie, Kommunikationswissenschaften, Soziologie und Geschichte. Nach Jahren in Forschung und Lehre an der Universität München und philosophischer Praxis im Kunst- und Kultursektor sowie in der Wirtschaft verantwortet er seit 2001 die inhaltliche und systematische Ausrichtung der Forschungsarbeit am IfW. Im Fokus seiner wissenschaftlichen Tätigkeit stehen vor allem die spekulativen Formen ökonomischer Vernunftbildung sowie die Rekonstruktion wirtschaftlichen Denkens in der philosophischen Tradition.
