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Buddhistische Geschenkökonomie zum Neuen Jahr

 

Das Restaurant Maharani in Ottobrunn bei München hatte mir in seiner Preisgestaltung bereits Rätsel aufgegeben, die ich nicht ganz ohne Zorn und Häme beantwortet habe. Die andauernde Geschenkökonomie in diesem Tempel der indischen Ess- und Bewirtungskultur ist zweifellos Ausdruck der nicht zu leugnenden Tatsache, dass es weitaus mehr Wertvolles, Gutes und Schönes gibt, als wir uns widerstandslos zugestehen. Wir sind im Miserabilismus (Peter Sloterdjik) aufgewachsen und geschult. Der Überfluss ist uns intellektuell wie sinnlich unbekannt.

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Buddha wacht über die Geschenkökonomie des Maharani

 An diesem letzten Tag des angeblichen Krisenjahres - ich zählte ja in diesem selbst zu den Krisenpropheten, die möglicherweise in eine Bärenfalle getappt sind - suchte ich mit meinem Begleiter das Maharani auf. Das Menu zu 6 Euro 90 bestand aus einer Fischsuppe mit Koriander, zu der knuspriges Brot gereicht wird. Dann gibt es drei Hühnerkeulen Tandoori in einer Pfanne mit Zwiebeln, dazu 4 Saucen und Basmatireis. Die marinierten Tandooris, die in einem Holzkohleofen gegrillt werden müssen, werden als Hühnerfilet bzw. Hühnerbrust leicht trocken. Nur Keulen ergeben ein wirklich knuspriges Tandoori. Hühnerkeulen Tandoori ist auch in der europäischen Tandoori-Szene eine Seltenheit. Es ist unmöglich, dieses Gericht zu Hause nachzukochen. Es für 6,90 anzubieten ist aber mehr als nur unmöglich: Es ist Ausdruck einer verschwenderischen Lebensfreude, in der das Geben die Quelle der eigenen Zufriedenheit bildet, nicht das Nehmen. Kann aber die Geschenkökonomie des Maharani aus buddhistischen Grundsätzen abgeleitet werden, oder aber ist sie nur der Ausdruck einer grenzenlosen Gastfreundschaft? Zitat aus dem Bericht einer Indienreisenden:

“Ein teurer Sari wickelt sich wie von alleine um meine Hueften und prompt klebt ein Bindi auf meiner Stirn. Die Familie besitzt ein Modeschmuckgeschaeft und macht mir selbstverstaendlich ein kitschiges Paar goldener Perlenohrringe inklusive passender Kette zum Geschenk. Mit acht anderen Frauen style ich mich auf und lache. Ich lerne einige Tanzschritte und diniere schliesslich das feinste Essen der Welt, bevor ich samt Eskorte heimkutschiert werde. Und das alles nur, weil ich mal einen Nachmitag nichts zu tun hatte nd urch die Strassen schlendere. Ich habe noch nie solche Herzlichkeit und Offenheit erlebt, wie in diesem Land und sie ist in Indien einfach selbstverstaendlich.”


Was soll ich sagen? Ich gab 15 Euro und redete mir ein, einer buddhistischen Offenbarung teilhaftig geworden zu sein. Diese zu teilen, war mir zum Beginn des Neuen Jahres 2010 ein Vergnügen. Möge es auch für Sie, werte Leserinnen und Leser an gutes Zeichen sein!

 



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