Mit ‘Abstimmung über Vermögensabgabe’ getaggte Artikel



Erstaunliches Vertrauen in die Mobilisierung des deutschen Sozialkapitals

02. September 2010 von Alexander Dill

Nachdem  gerade hier meine Betrachtung zu den Opportunitätskosten erschien, brachte SPIEGEL-Online eine größere Geschichte über die von mir hier vorgestellten Zahlen und Vorschläge. Im Rahmen seiner Recherchen zur deutschen Staatsverschuldung und den Sparvorschlägen der Parteien hat sich der studierte Volkswirt Sven Böll, stellvertretender Leiter der Wirtschaftsredaktion von SPIEGEL-Online getraut, einmal nicht nur die einschlägigen Wirtschaftsforschungsinstitute zu Wort kommen zu lassen. Seine Story finden wir hier.
Abgesehen von dem innovativen Mut, auch avantgardistische Philosophen in Fragen der Staatsfinanzen anzuhören, sind die Reaktionen auf den Artikel erwähnens- und bemerkenswert.
Die Redaktion von T-Online Wirtschaft hat den Vorschlag diskutieren und abstimmen lassen (Stand: 02.09.2010):


Was halten Sie von einer Vermögensabgabe zum Schuldenabbau?

Es haben 1777 Besucher abgestimmt

Guter Vorschlag, starke Schultern können mehr tragen. 66.4%

(1180 Stimmen)

Nein, dass wäre eine Enteignung. Die DDR lässt grüßen.

31.6%
(562 Stimmen)

Weiß nicht.

2%
(35 Stimmen)

Quelle und Debatte:

Wie mir der Redakteur Bernhard Vetter von Telekom Wirtschaft mitteilte, haben gestern 28.000 User diesen Artikel gelesen. Unter den kritischen Diskutanten fiel mir einer auf, der sich bescheiden “Wissender” nennt. Er schrieb Folgendes:

Deswegen
lässt man Soziologen und Philosophen nicht in volkswirtschaftlich wichtige Positionen - sie haben nämlich keine Ahnung. Der
Großteil dieses “Vermögens der Reichen” steckt in Unternehmen und nicht in Liquidität. Was passiert, wenn man diesen Unternehmen 20% ihres Wertes (denn das ist das, was das Vermögen ausmacht, ihr Wert) abnimmt, dann heißt es “gute Nacht auf dem Arbeitsmarkt”. Komplette Schnappsidee - typisch für die ganze Sippe der “alternative Whatsoever-Forscher”.

Weitere Diskussionen finden  im SPIEGEL-Forum ,  in Das Gelbe Forum und bei Egon W. Kreutzer statt.
Ich bemühe mich, auch qualifiziert zu antworten.

Ich stelle fest: Offensichtlich ist das Sozialkapital Deutschlands derart gross, dass ein derartiger Vorschlag sogar mehrheitsfähig ist. Das Eigeninteresse mag partial und situativ stärker sein - auf die Dauer zeichnen sich erfolgreiche Gemeinschaften zumindest dadurch aus, dass sie zumindest im Krisenfall ihr Sozialkapital mobilisieren können.
Es könnte sein, dass wirtschaftsphilosophische Thesen gar nicht so weltfremd sind, wie wir, ihre Urheber es befürchten.
Wahrscheinlich müssen wir einfach nur wagen, zur aktuellen Wirtschaft und Wirtschaftspolitik Vorschläge zu machen, anstatt deren fehlende ethische Reflexivität zu bemängeln.