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Was ist eigentlich Europhilosophie 2010 Eine Lehrstunde in Fachidiotie.

22. Mai 2010 von Alexander Dill
Jahrzehnte der Europäisierung scheinen durch die gegenwärtige Eurokrise auf Subventionen, Schulden und Bürgschaften reduziert zu werden. Dabei reicht der Besuch jeder beliebigen europäischen Universitätsstadt, um festzustellen: Erstaunlich viele der Studenten kommen aus dem europäischen Ausland. Städte wie Berlin, Bologna, Barcelona und Wien leben buchstäblich von studierenden Touristen. Ganze Jahrgänge junger Osteuropäerinnen und Osteuropäer sind nach Westeuropa emigriert.siteon0
Inmitten dieser Verschmelzungen kann man inzwischen auch einen MASTER Erasmus Mundus in “Europhilosophie” belegen. Deren Definition ist erstaunlich klar: Es handelt sich um einen Abschluss in deutscher und französischer Philosophie. Als Lehrinhalte der Europhilosophie werden genannt:
- 1. klassische deutsche Philosophie: Kant, deutscher Idealismus (Fichte, Schelling, Hegel) bis Marx, Schopenhauer und Nietzsche.
- 2. französische Philosophie (von Biran bis Bergson, Foucault und Deleuze)
- 3. deutsche und französische Phänomenologie
Man darf dieses Studium demnach getrost als eine Bibliothekarsausbildung bezeichnen. Es gibt im Curriculum nicht den geringsten Ansatz, Philosophie auch nur in geringster Dosis außerhalb der Bibliotheken und ihrer Fachzeitschriften anzusiedeln. Sie ist zum Latein der Geisteswissenschaften erstarrt. Nun könnte man sagen: Das ist Lehre und es muß auch Bibliothekare mit dem Schwerpunkt “Philosophie” geben.
Aber das hochfinanzierte Programm behauptet, auch “Forschung” in Europhilosophie zu betreiben. europ_re-3Das macht neugierig. Nicht nur der Euro, auch das Europäische Parlament und die Europäische Kommission könnten von ein wenig philosophischer Forschung auf ihre Grundfragen gebracht werden: Wozu eigentlich Europa? Wer bin ich? Was soll ich tun? Welche philosophischen Grundlagen haben Demokratie, Wirtschaft und Recht im vereinten Europa?
Die Europhilosophen werden im Rahmen eines Forschungsprogrammes mit dem poetischen Titel Subjectivité et Aliénation 2010 gefördert. Zu Deutsch: Subjektivität und Entfremdung. Dieses Programm wird nur noch auf Französisch als einziger und letzter Amtssprache dargestellt und verfolgt folgendes Ziel:
“Objectifs : Nos recherches tendent à déconstruire l’illusion du sujet comme entité transcendante ou foyer d’unité surplombant l’expérience. Elles ambitionnent d’élaborer un concept original de subjectivité, qui ne se réduit pas à sa seule dimension égologique, mais fonde la possibilité d’un agir éthique et politique concret et commun.”
Ich versuche einmal eine nicht-ironische Übersetzung des ersten Satzes:
“Unsere Forschungen neigen zur Dekonstruktion der Illusion des Subjektes als transzendentale Entität oder als Heim einer die Erfahrung übersteigenden Einheit.”
Compris?
L300xH425_aff-impersonnel-1-3d817Nicht drei oder vier, 30 Wissenschaftler bestreiten mit diesem Ziel ihren Lebensunterhalt, ihre Colloquien, ihre Publikationen und warten auf die Frühpensionierung. Die meisten sind Franzosen. Sie machen sich gar nicht erst die Mühe, ihre Ziele auch nur in einer der anderen europäischen Sprachen zu definieren. Sinnvollerweise findet die “Forschung” auch nur an drei französischen Universitäten statt.
Nur das Geld, (Franz.: l’argent) das kommt von der Europäischen Kommission. Deshalb muss das Ganze Europhilosophie heißen, obwohl weder für Europäer, noch mit Europäern philosophiert wird.
Dürfen wir dieses Forschungsprogramm also ganz europäisch und aktuell mit dem Prädikat griechisch der Wiege der europäischen Philosophie zuordnen?

Bild Links: Aus “Europa” kommt nur das Geld: Französische Referenten treffen sich auf Französisch in Toulouse. Europhilosophie at it’s best.