Als mein erster Artikel hier mit dem grossen Fotos der Commons erschien, konnte ich nicht ahnen, dass sich das Kommitee der Schwedischen Reichsbank nach der Finanzkrise dazu entschließen würde, der Politologin Elinor Ostrom den Wirtschaftsnobelpreis für ihre Erforschung der Organisation der Gemeingüter zu verleihen. Ich bezeichne das als den Einzug von Glasnost und Perestrojka in den Wirtschaftswissenschaften. Gerhard Schwarz, Wirtschaftschef der Neue Zürcher Zeitung, sieht diese Preisvergabe als einen Ausgleich, nachdem in den letzten Jahren Think-Tank Kolumnenschreiber wie Paul Krugman und Joseph Stigtlitz ausgezeichnet wurden. Als Anhänger von Friedrich August Hayek hofft Schwarz, diese Entscheidung möge möglichst keine Folgen für die Wirtschaftswissenschaften haben: “Doch das bedeutet weder Marktskepsis noch Absage an liberale Positionen”.
In beidem hat Schwarz vermutlich Recht: Ja, die Nobelpreisvergabe war als ausgleichende Kosmetik nach der Finanzkrise gedacht, ja, beide Preisträger, auch Oliver Williamson, sind nie als Kritiker der Religion der market economy in Erscheinung getreten. Ich freue mich natürlich darüber, dass die Commons jetzt vielleicht salonfähig werden, zumal die Universität von Mrs. Ostrom, die University of Indiana im Jahre 2007 mein erstes Research Paper dazu veröffentlichte. Damals war ich noch philosophischer und operierte mit dem unerlaubten Begriff Freeware .Es wird interessant, nun auszutesten, inwieweit die russischen Tugenden Glasnost und Perestrojka in das Sowjetimperium der Wirtschaftswissenschaften Einzug halten, oder ob wir weiter in Sibirien bleiben müssen.
