Mit ‘Nachhaltigkeit’ getaggte Artikel



Wenn Unternehmen einen ganzen Staat ruinieren

27. März 2011 von Alexander Dill
Flak_8-8_cm_Krupp

Zukunftstechnologie 1912: 8-8 Flak von Krupp

Einst freute sich eine renommierte, soziale und arbeiterfreundliche deutsche Firma über eine grossen Staatsauftrag: Sie sollte 50.000 Kanonen produzieren, damit Deutschland den I. Weltkrieg gewinnt. Finanziert wurde dieser Auftrag über Staatsanleihen. 1918 verlor Deutschland den Krieg - und viele Menschen ihre Vermögen und ihre Arbeit.
Reparationszahlungen führten zur Verarmung einst wohlhabender, hochindustrialisierter Gegenden wie Nordrhein-Westfalen.

1933 versprach ein überaus populärer Kandidat einer demokratischen Partei, das Land aus der Misere zu führen. Die Wähler setzten ihre Hoffnung in ihn. Er führte Deutschland in einen zweiten Krieg, den Deutschland wiederum verlor, wieder mit grossen Aufträgen für die besagte Firma, die mit Zwangsarbeitern bis zuletzt ihre Waffenproduktion aufrecht erhielt.

Die Technologie von Krupp hat Deutschland zweimal ruiniert, weil sie statt zur Verteidigung zum Angriff genützt wurde.

Kein Autor hat bis heute den Versuch unternommen, den I. und II.Weltkrieg durch die Industriepolitik zu erklären. Stattdessen werden bis heute Faschismus und Kommunismus als ideologische Bewegungen als Schuldige für die Kriege identifiziert.

Als ob je eine Waffe eine Ideologie gehabt hätte.

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Aktienindex Island

Bitte keine Schadenfreude...

Island galt bis 2008 als eine erfolgreichsten Volkswirtschaften der Welt. Im Jahre 2008 hatten drei isländische Banken, Glitnir, Landesbanki und Arion Bank, Kredite in neunfacher Höhe des jährlichen Bruttoinlandproduktes von rund 14 Milliarden Euro aufgenommen oder verbürgt. Als erster “marktwirtschaftlicher” Staat wurde Island durch Banken ruiniert - und mit ihm alle Bürger und Anleger, die in die 15 Titel der isländischen Börse investiert haben.
Island, so schrieb die ZEIT 2009, “ist ein Schuldenknast geworden.”

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Der britische Ölkonzern BP fand sich im Portfolio aller Sustainabilty-Fonds. Was könnte auch nachhaltiger sein, als Ölförderung? Still wurde 2010 die BP-Aktie aus den Fonds entfernt. “Öl-Konzern droht fataler Abstieg”, schrieb der SPIEGEL am 1. Juni 2010.
Dabei war nur eine der vierhundert Ölbohrplattformen im Golf von Mexiko explodiert. Mit zehn solchen Explosionen können alle Weltmeere verseucht werden. Dennoch halten die amerikanische und die britische Regierung Ölförderung für eine schützenswerte Entfaltung von Privateigentum, die es mit Waffengewalt zu verteidigen gilt. Im Irak. Im Iran. Seit neuestem in Libyen.

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vision 2020

Tepco, der Nachhaltigkeitsvisionär

In der Reihe der für ihre Nachhaltigkeit und ihre wegweisende CO²-Verminderung gerühmten Unternehmen findet sich auch ein japanisches: Die Tokio Energy Power, abgekürzt Tepco. Sie hat bereits vor Jahren erkannt, worauf es in der Energieversorgung am meisten ankommt, nämlich auf Nachhaltigkeit. Wie BP konnte auch Tepco die Anleger, private wie institutionelle, davon überzeugen, dass Tepco das Unternehmen der Zukunft war. In dieser exponierten Vorreiterrolle veröffentlichte Tepco sein Manifest der Zukunft unter dem Titel Vision 2020 (Achtung: 8,8 MB und 100.000 Millisievert!)
Wer immer noch der Auffassung ist, dass Ethikkommissionen und CO²-Audits (Footprint), CSR-Manifeste und High-Tech-Partnerschaften einen Bezug zur realen Wirtschaftstätigkeit eines Unternehmens haben, der sollte einen Blick auf die Vision 2020 werfen.
Zu Tepco habe ich noch einen Essay mit dem Titel “Tepco ist das Ende der Marktwirtschaft” auf Telepolis veröffentlicht.

Der Schaden, den Tepco in Japan angerichtet hat, wird nicht in die Milliarden, sondern in die Billionen gehen. Bald wird Tepco “verstaatlicht” werden und es wird eine “bessere Aufsicht” empfohlen werden.

Spaß beiseite: Es wird nach Tepco keine Atommeiler mehr in zivilisierten Staaten geben.

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rwe-header

Gehen auch Sie vorweg: mit CO²-neutraler Atomkraft!

Liebe Leserin, lieber Leser!
Krupp ist Vergangenheit, BP weit weg und Fukushima auch. Haben also diese Nachrichten nichts mit unseren Inseln der Seligen, mit Deutschland, Österreich und der Schweiz zu tun?
Leider doch. Auch in unseren Breitengraden ist die Nachhaltigkeit auf dem Vormarsch (bitte verzeihen Sie mir diese Formulierung, aber ich kann es nicht lassen, diesen Begriff vorzuführen). Die nachhaltigsten unter den Unternehmen, etwa der schwedische Kernkraftspezialist Vattenfall, beglücken deshalb auch uns Unwissende mit einer Vision 2050.

Besonders verheißend und wegweisend ist folgende Passage der Vision 2050:

Aus der Geschichte können wir vieles
lernen. Es ist wichtig, dass wir die
großen Ideen, Theorien und Ansätze
untersuchen, die in der Vergangenheit
Unternehmen und Märkte erfolgreich
gemacht haben und daraus lernen, wie
sie zum Fortschritt der Gesellschaft und
zur Entwicklung der Menschheit in den
vergangenen 50 Jahren beigetragen
haben. Wie in der Vergangenheit müssen
die Rahmenbedingungen stimmen.

Diesen klugen Sätzen kann ich wenig hinzufügen. Wo wären wir denn heute, wenn nicht in den letzten 50 Jahren die Kernkraft und die Ölförderung auf ihr heutiges, sicheres Niveau entwickelt worden wären? In der Steinzeit!

Sie, liebe Leser, können diese Vision unterstützen. In Deutschland dürfen Sie unter www.ecosense.de das “Forum für nachhaltige Entwicklung e.V.” unterstützen. Ideell, denn finanziell können das Vattenfall, RWE und EnBW besser. Schreiben Sie doch den Kollegen der nachhaltigen Entwicklung, wie sehr auch Sie für Nachhaltigkeit sind, an:  info@ecosense.de.

Schreiben Sie ihnen, wie sehr Sie die Vision 2050 teilen. Schreiten Sie vorweg Richtung 2050!

Ihr Alexander Dill

Agora 42 - eine neue Zeitschrift für Philosophie und Ökonomie

17. November 2010 von Alexander Dill

Aktuell: Am 10. Dezember 2011 habe ich Agora 42 zusammen mit Philosophie Magazin und Hohe Luft noch einmal vorgestellt.

Gleich vorweg: Nein, ich schreibe nicht für diese Zeitschrift. Ich habe sie bei XING entdeckt, wo eine freie Mitarbeiterin ihren Beitrag als PDF online gestellt hat. Sie ist, obwohl sehr aufwändig gestaltet, fast völlig unbekannt. Vielleicht liegt es daran, dass sie aus Sindelfingen kommt, einem Ort, der in etwa so viel mit Philosophie in Verbindung gebracht wird, wie Greifswald mit Marketing und Frankfurt mit Bier. (weiterlesen…)

Nachhaltigkeit - Demontage eines Modebegriffs

22. März 2010 von Alexander Dill
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Nominiert für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2010: Sustainability Champ Peter Maffay

Wenn philosophisches Denken eine traditionelle Stärke hat, dann liegt sie weniger in der praktischen Hilfestellung zu einem gelungenen Leben, als in der sezierenden Präzision der Klärung von Begriffen. Es gibt Begriffe, denen man keine philosophische Analyse wünscht. Nachhaltigkeit könnte zu jenen Begriffen gehören, die bei intensiverer Betrachtung nur verlieren können. Begriffe, die aus dem Nirgendwo kamen, Mode wurden und keine zwei Jahrzehnte überdauern werden.

Dürfen wir annehmen, dass jemand ein Unternehmen mit dem festen Wissen gründet, dieses werde wegen schlechtem Wirtschaften nur wenige Jahren überdauern? Eine Aktie emittieren, von der er weiss, dass deren Kurs nach der Ausgabe nur sinkt? Einen Plan vorlegen, der so wenige Erfolgsfaktoren berücksichtigt, dass er zum Scheitern verurteilt ist?

Nur, wenn wir dieses annehmen können, ergibt der Begriff Nachhaltigkeit einen Sinn, denn ob etwas – etwa eine Ehe, ein Vorsatz oder ein Unternehmen – Jahrzehnte überlebt, kann wohl niemandem vorher bekannt sein. Nachhaltigkeit berührt damit die Sphären der Prophetie und Wahrsagerei.

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Erhielt den Ehren-Nachhaltigkeitspreis 2009: Erdgaslobbyist Joschka Fischer

Im Jahre 2001 hat die deutsche Bundesregierung, bis heute völlig unbeachtet von einer ignoranten Öffentlichkeit, einen Rat für Nachhaltige Entwicklung ins Leben gerufen. Das war vor neun Jahren.  Zeitgleich hat die Aachener Stiftung Kathy Beys ein Lexikon der Nachhaltigkeit ins Internet gestellt. Am 3. November 2009 beklagte Gunter Thielen, der Vorsitzende der Bertelsmann-Stiftung, das Thema Nachhaltigkeit als Antwort auf die Krise sei noch nicht in der Gesellschaft angekommen. An der Komplexität des Begriffes kann es wohl nicht liegen. So lernen wir von der Bundesregierung:

Der Begriff ‘Nachhaltigkeit’ kommt aus der Forstwirtschaft. Es heißt: Wer einen Wald hegt, muss darauf achten, nicht mehr Holz zu schlagen als nachwächst. Nachhaltigkeit bedeutet also, vom Ertrag zu leben, ohne die Substanz anzutasten.“

Anders gesagt: Jeder Liter Benzin, jeder Kubikmeter Erdgas, jede schuldenfinanzierte Steuermillion sind nach dieser Definition nicht nachhaltig. Und ob die Finanzquelle der Bertelsmann Stiftung, der Fernsehsender RTL besonders nachhaltig ist? Oder seine Werbetreibenden?
Die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung ist lesenswert. Sie wurde der Einfachheit halber nach der Bundestagswahl im November 2009 gar nicht erst geändert und datiert vom August 2009.  Wir können davon ausgehen, dass sie selbst nachhaltig ist, dass also nicht mehr neue Strategie veröffentlicht wird, als auf natürlichem Wege (Pensionierung) der Regierung abhanden kommt, etwa durch das Verstreichen der angekündigten Fristen.
Unter den 21 Punkten, die die Regierung einer strengen Erfolgskontrolle unterworfen hat, ist Punkt 10 besonders interessant. Als Thema steht dort „Wirtschaftsleistung umwelt- und sozialverträglich steigern.“ Als Überprüfungsindikator gilt das Bruttosozialprodukt, als zu erreichendes Ziel „Wirtschaftswachstum“.
Was soll man da sagen? Wirtschaftswachstum als Nationale Nachhaltigkeitsstrategie? Wächst denn noch so viel Wachstum nach, dass man es ernten kann?

Nun ist Bundeskanzlerin Merkel Schirmherrin des Deutschen Nachhaltigkeitspreises. Für diesen gibt es 50 KandidatInnen, über die man abstimmen darf. Wie wäre es mit dem Erdgas-Lobbyisten Joschka Fischer? Oder mit dem Chef des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth? Oder lieber gleich Werner Schnappauf, Hauptgeschäftsführer des BDI? Oder gar Peter Maffay?
„Die hier vorgestellten Köpfe stehen für die Bereiche, in denen sich Nachhaltigkeit entscheidet, für persönliche Beiträge, für gegensätzliche Positionen.“
Gibt es zu Nachhaltigkeit denn gegensätzliche Positionen? Bisher scheint es doch eher, als ob alle uneingeschränkt für Nachhaltigkeit einträten. Gäbe es allerdings auch Gegner dieses kollektiven Mantras, könnten wir darüber auch philosophisch diskutieren. So aber müssen wir uns auf die Demontage eines hohlen Modebegriffes beschränken.