Einst freute sich eine renommierte, soziale und arbeiterfreundliche deutsche Firma über eine grossen Staatsauftrag: Sie sollte 50.000 Kanonen produzieren, damit Deutschland den I. Weltkrieg gewinnt. Finanziert wurde dieser Auftrag über Staatsanleihen. 1918 verlor Deutschland den Krieg - und viele Menschen ihre Vermögen und ihre Arbeit.
Reparationszahlungen führten zur Verarmung einst wohlhabender, hochindustrialisierter Gegenden wie Nordrhein-Westfalen.
1933 versprach ein überaus populärer Kandidat einer demokratischen Partei, das Land aus der Misere zu führen. Die Wähler setzten ihre Hoffnung in ihn. Er führte Deutschland in einen zweiten Krieg, den Deutschland wiederum verlor, wieder mit grossen Aufträgen für die besagte Firma, die mit Zwangsarbeitern bis zuletzt ihre Waffenproduktion aufrecht erhielt.
Die Technologie von Krupp hat Deutschland zweimal ruiniert, weil sie statt zur Verteidigung zum Angriff genützt wurde.
Kein Autor hat bis heute den Versuch unternommen, den I. und II.Weltkrieg durch die Industriepolitik zu erklären. Stattdessen werden bis heute Faschismus und Kommunismus als ideologische Bewegungen als Schuldige für die Kriege identifiziert.
Als ob je eine Waffe eine Ideologie gehabt hätte.
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Island galt bis 2008 als eine erfolgreichsten Volkswirtschaften der Welt. Im Jahre 2008 hatten drei isländische Banken, Glitnir, Landesbanki und Arion Bank, Kredite in neunfacher Höhe des jährlichen Bruttoinlandproduktes von rund 14 Milliarden Euro aufgenommen oder verbürgt. Als erster “marktwirtschaftlicher” Staat wurde Island durch Banken ruiniert - und mit ihm alle Bürger und Anleger, die in die 15 Titel der isländischen Börse investiert haben.
Island, so schrieb die ZEIT 2009, “ist ein Schuldenknast geworden.”
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Der britische Ölkonzern BP fand sich im Portfolio aller Sustainabilty-Fonds. Was könnte auch nachhaltiger sein, als Ölförderung? Still wurde 2010 die BP-Aktie aus den Fonds entfernt. “Öl-Konzern droht fataler Abstieg”, schrieb der SPIEGEL am 1. Juni 2010.
Dabei war nur eine der vierhundert Ölbohrplattformen im Golf von Mexiko explodiert. Mit zehn solchen Explosionen können alle Weltmeere verseucht werden. Dennoch halten die amerikanische und die britische Regierung Ölförderung für eine schützenswerte Entfaltung von Privateigentum, die es mit Waffengewalt zu verteidigen gilt. Im Irak. Im Iran. Seit neuestem in Libyen.
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In der Reihe der für ihre Nachhaltigkeit und ihre wegweisende CO²-Verminderung gerühmten Unternehmen findet sich auch ein japanisches: Die Tokio Energy Power, abgekürzt Tepco. Sie hat bereits vor Jahren erkannt, worauf es in der Energieversorgung am meisten ankommt, nämlich auf Nachhaltigkeit. Wie BP konnte auch Tepco die Anleger, private wie institutionelle, davon überzeugen, dass Tepco das Unternehmen der Zukunft war. In dieser exponierten Vorreiterrolle veröffentlichte Tepco sein Manifest der Zukunft unter dem Titel Vision 2020 (Achtung: 8,8 MB und 100.000 Millisievert!)
Wer immer noch der Auffassung ist, dass Ethikkommissionen und CO²-Audits (Footprint), CSR-Manifeste und High-Tech-Partnerschaften einen Bezug zur realen Wirtschaftstätigkeit eines Unternehmens haben, der sollte einen Blick auf die Vision 2020 werfen.
Zu Tepco habe ich noch einen Essay mit dem Titel “Tepco ist das Ende der Marktwirtschaft” auf Telepolis veröffentlicht.
Der Schaden, den Tepco in Japan angerichtet hat, wird nicht in die Milliarden, sondern in die Billionen gehen. Bald wird Tepco “verstaatlicht” werden und es wird eine “bessere Aufsicht” empfohlen werden.
Spaß beiseite: Es wird nach Tepco keine Atommeiler mehr in zivilisierten Staaten geben.
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Liebe Leserin, lieber Leser!
Krupp ist Vergangenheit, BP weit weg und Fukushima auch. Haben also diese Nachrichten nichts mit unseren Inseln der Seligen, mit Deutschland, Österreich und der Schweiz zu tun?
Leider doch. Auch in unseren Breitengraden ist die Nachhaltigkeit auf dem Vormarsch (bitte verzeihen Sie mir diese Formulierung, aber ich kann es nicht lassen, diesen Begriff vorzuführen). Die nachhaltigsten unter den Unternehmen, etwa der schwedische Kernkraftspezialist Vattenfall, beglücken deshalb auch uns Unwissende mit einer Vision 2050.
Besonders verheißend und wegweisend ist folgende Passage der Vision 2050:
Aus der Geschichte können wir vieles
lernen. Es ist wichtig, dass wir die
großen Ideen, Theorien und Ansätze
untersuchen, die in der Vergangenheit
Unternehmen und Märkte erfolgreich
gemacht haben und daraus lernen, wie
sie zum Fortschritt der Gesellschaft und
zur Entwicklung der Menschheit in den
vergangenen 50 Jahren beigetragen
haben. Wie in der Vergangenheit müssen
die Rahmenbedingungen stimmen.
Diesen klugen Sätzen kann ich wenig hinzufügen. Wo wären wir denn heute, wenn nicht in den letzten 50 Jahren die Kernkraft und die Ölförderung auf ihr heutiges, sicheres Niveau entwickelt worden wären? In der Steinzeit!
Sie, liebe Leser, können diese Vision unterstützen. In Deutschland dürfen Sie unter www.ecosense.de das “Forum für nachhaltige Entwicklung e.V.” unterstützen. Ideell, denn finanziell können das Vattenfall, RWE und EnBW besser. Schreiben Sie doch den Kollegen der nachhaltigen Entwicklung, wie sehr auch Sie für Nachhaltigkeit sind, an: info@ecosense.de.
Schreiben Sie ihnen, wie sehr Sie die Vision 2050 teilen. Schreiten Sie vorweg Richtung 2050!
Ihr Alexander Dill






